Wie stelle ich eine Sojakerze her? Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung
Warum sich Sojawachs lohnt?
Sojawachs ist ein natürlicher, pflanzlicher Rohstoff, der aus Sojabohnen gewonnen wird. Im Vergleich zu traditionellem Paraffinwachs (einem Erdölprodukt) bietet es viele Vorteile: Es brennt langsamer und gleichmäßiger, erzeugt weniger Ruß, ist biologisch abbaubar und umweltfreundlich. Sojakerzen sind auch sicherer für geruchsempfindliche Personen – besonders wenn sie geruchlos sind, wie die, die wir bei Candle by Ann herstellen.
Was Sie brauchen? — Detaillierte Materialliste
Sojawachs
Wählen Sie Sojawachs in Flocken (Granulat), das für Behälterkerzen oder Formen bestimmt ist. Es gibt zwei verschiedene Arten:
- Behälterwachs (Container Wax) – weicher, haftet an den Glaswänden, ideal für Glas- und Keramikgefäße
- Formwachs (Pillar Wax) – härter, behält die Form nach dem Entfernen aus der Silikonform bei
Für den Anfang empfehlen wir Behälterwachs – es ist einfacher zu verarbeiten und verzeiht mehr Fehler.
Dochte
Der Docht muss zum Durchmesser des Gefäßes passen. Ein zu dünner Docht erlischt, ein zu dicker Docht rußt und brennt schnell ab. Allgemeine Regel:
- Durchmesser bis 6 cm – Docht ECO-4 oder CD-12
- Durchmesser 6–8 cm – Docht ECO-6 oder CD-16
- Durchmesser über 8 cm – Docht ECO-10 oder CD-20
Führen Sie immer einen Brenntest durch, bevor Sie eine größere Charge Kerzen produzieren!
Gefäße und Formen
- Gläser – Klassiker, leicht zu reinigen und wiederzuverwenden
- Keramiktassen und -schalen – elegant, ideal als Geschenk
- Weiße Silikonformen – ermöglichen die Herstellung von Kerzen in beliebigen Formen: Blumen, Herzen, geometrische Figuren, Tierchen. Das Wachs lässt sich nach dem Aushärten leicht daraus lösen.
Thermometer
Verwenden Sie ein digitales Thermometer mit Metallsonde (sogenanntes Zucker- oder Wachsthermometer). Es ermöglicht eine präzise Temperaturkontrolle im Bereich von 0–200°C. Dies ist ein absolut entscheidendes Werkzeug – ohne es ist es schwierig, reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen.
Weitere Werkzeuge
- Küchenwaage – Genauigkeit bis 1 g
- Topf und Stahlkanne oder Behälter – für das Wasserbad
- Holzstäbchen oder Bleistifte – zum Zentrieren des Dochts
- Aufkleber oder Kleber für Dochte – zur Befestigung am Boden des Gefäßes
- Schere – zum Kürzen des Dochts
- Backpapier – zum Schutz der Arbeitsfläche
Schritt 1 — Berechnung der Wachsmenge
Füllen Sie das Gefäß bis zum gewünschten Niveau mit Wasser und gießen Sie es in ein Messgefäß – so viele Milliliter Wasser, so viele Gramm Wachs benötigen Sie (die Dichte von Sojawachs ist der von Wasser ähnlich). Fügen Sie ca. 10–15% Reserve hinzu, da das Wachs beim Abkühlen schrumpft.
Beispiel: 300-ml-Glas → Sie benötigen ca. 330–345 g Wachs.
Schritt 2 — Vorbereitung des Gefäßes und des Dochts
Waschen und trocknen Sie das Gefäß gründlich. Kleben Sie den Docht mit einem Aufkleber oder einem Tropfen Heißkleber auf den Boden. Führen Sie den Docht durch zwei parallel auf dem Gefäßrand liegende Stäbchen, um ihn aufrecht zu halten. Stellen Sie sicher, dass der Docht gestreckt und gespannt ist – ein loser Docht kann beim Eingießen des Wachses verrutschen.
Schritt 3 — Schmelzen des Wachses im Wasserbad
Füllen Sie einen Topf zu ca. 1/3 mit Wasser und kochen Sie es auf. Stellen Sie eine Stahlkanne oder einen Behälter mit dem abgemessenen Wachs hinein. Rühren Sie vorsichtig mit einem Holzlöffel oder Spatel um. Überwachen Sie die Temperatur mit einem Thermometer:
- Schmelztemperatur von Sojawachs: 50–55°C
- Arbeitstemperatur (nach dem Schmelzen): 70–75°C
Erhitzen Sie das Wachs niemals direkt über dem Feuer – dies birgt Verbrennungs- und Brandgefahr!
Schritt 4 — Abkühlen auf die Gießtemperatur
Nehmen Sie den Behälter aus dem Wasserbad und lassen Sie ihn abkühlen. Rühren Sie alle paar Minuten um. Warten Sie, bis das Wachs eine Temperatur von 55–60°C erreicht hat, bevor Sie es in das Gefäß oder die Form gießen. Dies ist ein entscheidender Moment:
- Zu heißes Wachs (>65°C) – kann zu Rissen an der Oberfläche und zum „Sinkhole“-Effekt (Löcher beim Abkühlen) führen
- Zu kaltes Wachs (<50°C) – beginnt zu härten und füllt das Gefäß möglicherweise nicht gleichmäßig aus
Schritt 5 — Wachs gießen
Gießen Sie das Wachs langsam in einem dünnen Strahl ein und halten Sie die Kanne nahe an der Oberfläche des Gefäßes, um Luftblasen zu vermeiden. Lassen Sie ca. 1–1,5 cm freien Platz vom oberen Rand des Gefäßes. Wenn Sie eine Silikonform verwenden, füllen Sie sie vollständig und stellen Sie sie auf eine ebene Fläche.
Wenn Sie Dekorationen (getrocknete Blumen, Rosenblätter, Goldstaub) hinzufügen möchten, platzieren Sie diese vorsichtig auf der Wachsoberfläche, wenn es leicht zu härten beginnt (ca. 45°C).
Schritt 6 — Abkühlen
Lassen Sie die Kerze bei Raumtemperatur (18–22°C) mindestens 24 Stunden stehen. Vermeiden Sie Zugluft und plötzliche Temperaturschwankungen. Stellen Sie sie nicht in den Kühlschrank – zu schnelles Abkühlen führt zu Rissen und weißen Flecken auf der Oberfläche (sogenanntes Frosting).
Nach dem Aushärten können Sie eine kleine Vertiefung um den Docht herum bemerken – das ist normal. Füllen Sie diese mit einer kleinen Menge geschmolzenen Wachses (sog. Top Coat) auf und warten Sie erneut 12 Stunden.
Schritt 7 — Fertigstellung und Docht kürzen
Nach vollständigem Aushärten kürzen Sie den Docht auf eine Höhe von 0,5–1 cm über der Wachsoberfläche. Ein zu langer Docht rußt und erzeugt große Flammen. Wenn Sie eine Silikonform verwendet haben, ziehen Sie die Kerze vorsichtig heraus – Sojawachs ist flexibel und lässt sich leicht lösen.
Schritt 8 — Brenntest (Memory Burn)
Das erste Brennen ist das wichtigste für die Lebensdauer der Kerze. Lassen Sie sie so lange brennen, bis die gesamte Wachsoberfläche geschmolzen ist – von Wand zu Wand. Dadurch vermeiden Sie Tunnelbildung (ein Loch, das in der Mitte abbrennt). Die Dauer des ersten Brennens hängt vom Durchmesser ab:
- Durchmesser 6 cm – ca. 1,5–2 Stunden
- Durchmesser 8 cm – ca. 2–3 Stunden
- Durchmesser 10 cm – ca. 3–4 Stunden
Häufige Probleme und deren Lösung
- Weiße Flecken auf der Oberfläche (Frosting) – ein natürlicher Effekt von Sojawachs, unschädlich. Kann durch Gießen bei niedrigerer Temperatur und langsamere Abkühlung minimiert werden.
- Risse an der Oberfläche – das Wachs war beim Gießen zu heiß oder kühlte zu schnell ab.
- Löcher und Vertiefungen (Sinkholes) – mit geschmolzenem Wachs auffüllen und warten.
- Kerze erlischt – Docht ist zu dünn oder zu kurz. Wechseln Sie zu einem dickeren.
- Kerze rußt – Docht ist zu dick oder zu lang. Auf 0,5 cm kürzen.
- Tunnelbildung – vergessen Sie den Memory Burn beim ersten Brennen nicht. Brennen Sie immer, bis die gesamte Oberfläche geschmolzen ist.
Tipps für Fortgeschrittene
- Testen Sie verschiedene Dochtarten – führen Sie Notizen zu jedem Test (Gießtemperatur, Wachsart, Durchmesser, Brenndauer).
- Silikonformen – vor dem Gießen des Wachses leicht mit Sprühöl besprühen, um die Kerze leichter herauszulösen.
- Umgebungstemperatur – in einem kalten Raum kühlt Wachs schneller ab und kann reißen. Die ideale Arbeitstemperatur liegt bei 20–22°C.
- Testcharge – beginnen Sie immer mit einer kleinen Charge (2–3 Kerzen), bevor Sie eine größere Produktion starten.
Zusammenfassung
Die Herstellung von Sojakerzen ist ein Handwerk, das Präzision mit Kreativität verbindet. Jede Kerze ist anders – und genau das macht sie einzigartig. Mit der Zeit werden Sie Ihre eigenen Methoden und Lieblingskombinationen entwickeln. Wenn Sie jedoch fertige, handgemachte Sojakerzen ohne großen Aufwand bevorzugen – schauen Sie in unserem Shop Candle by Ann vorbei und finden Sie etwas Besonderes für sich oder Ihre Lieben. 🕯️